INPUT: Die Turnschuhfaschisten der „Identitären Bewegung“

Wann:
29. März 2017 um 19:30 Europe/Berlin Zeitzone
2017-03-29T19:30:00+02:00
2017-03-29T19:45:00+02:00
Wo:
Linkes Zentrum Hinterhof Düsseldorf
Referent: Christoph Schulze (Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam)

Am 28. Dezember 2016 kletterte eine Kleingruppe der „Identitären Bewegung Deutschland“ (IBD) auf das Dach des Kölner Hauptbahnhofes und befestigte dort ein Transparent, auf dem über die Verklausulierung „Remigration“ die Ausweisung von Migrant_innen und Geflüchteten gefordert wurde. Begleitet wurde die Aktion vom Beifall weiterer etwa 20 überregional angereister IBD-Aktivist_innen. Bereits vier Monate zuvor, am 27. August 2016, hatte eine zehnköpfige IBD-Gruppe in Berlin das Brandenburger Tor bestiegen und neben ihren Fahnen ein weit sichtbares Transparent mit der Aufschrift „Sichere Grenzen – Sichere Zukunft“ präsentiert. Derartige Propagandaaktionen sind typisch für die „Identitären“, ebenso wie mehr oder weniger geglückte Besetzungen von Parteibüros, „kreative“ Störungen ihnen nicht genehmer Veranstaltungen sowie Flashmob-Auftritte im „Agitprop“-Stil in den Innenstädten.
Die IBD versteht sich als „neurechte“ und intellektuelle europäische Jugendbewegung, die mit Neonazismus vorgeblich nichts zu tun haben will. Hauptanliegen ist es, Europa gegen eine behauptete Invasion durch „den Islam“ zu verteidigen. In letzter Zeit tritt die zahlenmäßig eher kleine Gruppierung wieder verstärkt durch medien- und öffentlichkeitswirksam inszenierte Aktionen auf. Die Reichweite ihrer politischen Provokation wird dadurch vergrößert, dass seitens vieler Medien sehr bildhaft darüber berichtet wird – anstatt die Hintergründe zu analysieren. Die IBD-Aktionen finden folgerichtig Nachahmer_innen, wie beispielsweise die Besetzung des Turms der Dortmunder Reinoldikirche durch Neonazis der Partei „Die Rechte“ und deren Umfeld – unter ihnen auch der Düsseldorfer Sven Skoda – im Dezember 2016 zeigte. Und auch die AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) lässt sich durch IBD-Aktionen inspirieren. Am 30. Juli 2016 zogen etwa 20 JA-Funktionär_innen und Mitglieder teilweise vermummt, mit Burkas und Masken sowie mit auf Pappen formulierten Botschaften wie „Assimilation ist Völkermord“ ausgestattet, über die Kölner Domplatte. Die JA deklarierte die Aktion im Nachhinein als „Flashmob“, um ein „spontanes Zeichen gegen die heutige Demonstration türkischer ‪AKP‬-Anhänger“ zu setzen.
Die INPUT-Veranstaltung nimmt Propaganda, Inhalte, historische Bezüge, Strukturen, Wirkungsmächtigkeit und Aktionsformen der „Identitären“ unter die Lupe. Wie kann ein angemessener Umgang mit dieser (nicht mehr ganz so) neuen, extrem rechten Erscheinungsform aussehen?